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Erdmessung und Glaziologie

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Geschichte

Bayerische Erdmessungskommission

Die Erdmessung unter dem Dach der Akademie war seit ihrer Gründung im Jahre 1868 als bayerische Kommission für die europäische Gradmessung an prominenter Stelle am Aufbau der europäischen Triangulation, des europäischen Höhensystems und der ersten europäischen Satellitentriangulation beteiligt1. Mit dem Eintritt ins Satellitenzeitalter wurde es möglich, die Erde als Ganzes in Raum und Zeit zu erfassen. Im Rahmen des Sonderforschungsbereiches 78 der DFG (1970–1984) beteiligte sich die Kommission an der Entwicklung von Verfahren zur Formbestimmung der Erde. Die Arbeiten des Projektes „Satellitengeodäsie“ in der Akademie befassen sich seither im Rahmen einer europäischen Initiative, mit der GPS-Erfassung von geotektonischen Bewegungen und dabei schwerpunktmäßig denen im Mittelmeer- und Alpenraum und auf Island. Die Realisierung eines geodätischen Referenzsystems ist bis heute eine der Kernaufgaben der Arbeitsgruppe. Ergebnisse der GPS-Analyse fließen direkt in die Bestimmung des ETRS89 (Europäisches Terrestrisches Referenzsystem 1989) ein. Dieses dreidimensionale Referenzsystem ist heute die offizielle Grundlage aller Koordinatensysteme in Europa und wird auch von den Landesvermessungen der jeweiligen Länder genutzt.

Der zweite Schwerpunkt der Arbeiten war das Erdschwerefeld. Unter der Leitung der Kommission entstand in internationaler Zusammenarbeit das Unified European Gravimetric Network (UEGN), das heute die Basis der gravimetrischen Netze in Europa bildet und auf der Grundlage der neuesten Standards und Konventionen berechnet wurde. Andererseits wurden gravimetrische Verfahren zur Quantifizierung der Massenverteilung und von Massenveränderungen entwickelt. Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung des Prototyps eines Fluggravimeters. Nur mit dem Verfahren der Fluggravimetrie lässt sich auch in unzugänglichem Gelände in kurzer Zeit Schwerefeldinformation gewinnen. Die Schweremessung im Flugzeug ist jedoch wegen der Dynamik der Flugbewegung extrem schwierig. Der entwickelte Prototyp beruht auf einer Strapdown-Inertialmesseinheit und ist einsetzbar in Kleinflugzeugen.

1 Cornelia Meyer­-Stoll, Naturwissenschaftliche Forschung im Spannungs­feld von Internationalisierung und Mittelknappheit - Die Gründungsgeschichte der Kommission für die europäische Gradmessung bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1861–1868, Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 71, 2011, 219 - 267.