Logo der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Erdmessung und Glaziologie

Menu

Klimavariabilität und Gletscherentwicklung des Fedtschenkogletschers, Pamir

Die Gletscher des zentralen Pamir in Zentralasien scheinen deutlich weniger von den global beobachteten Klimaveränderungen beeinflusst zu sein als die Gletscher in vielen anderen Gebirgsregionen. Fernerkundungsuntersuchungen deuten darauf hin, dass speziell die Gletscher im zentralen Pamir während des letzten Jahrzehnts Masse hinzugewonnen haben. Allerdings sind diese Signale widersprüchlich und zudem nicht gleichmäßig über die Region verteilt.

In diesem Forschungsprojekt untersuchen wir die rezente Klimaentwicklung und die Akkumulationsvariabilität im Hauptakkumulationsgebiet des Fedtschenkogletschers im Pamir mit Hilfe von kombinierten geophysikalischen und glaziologischen Messungen. Der Fedtschekogletscher ist einer der größten Gebirgsgletscher der Erde und beinhaltet mit 125 km³ Eis etwa das gleiche Volumen wie alle Alpengletscher zusammen. Das Hauptakkumulationsbecken liegt über 5100 m Meereshöhe und bildet eines der größten Akkumulationsgebiete in der gesamten Region. Detaillierte Bodenradarmessungen sollen die räumliche wie auch die zeitliche Variabilität der Schneeakkumulation dokumentieren. Diese Ergebnisse werden mit Daten aus Schneeschächten und von flachen Firnkernbohrungen zur Validierung und zur Extraktion von zusätzlichen Klimaparametern, vornehmlich des Temperatursignals, kombiniert. Auf dieser Basis kann die Klimaentwicklung der letzten Dekaden studiert und mit den langen Beobachtungsreihen der Wetterstationen aus der Vergangenheit korreliert werden.

Zusätzliche Messungen der Eisdickenverteilung, der Oberflächendeformation und der Eisgeschwindigkeiten werden verwendet um den räumlich verteilten Massentransport zu bestimmen und mit der Akkumulationsverteilung zu vergleichen. Diese Messungen erlauben zudem die Identifikation einer idealen Bohrstelle für eine zukünftige Eiskerntiefbohrung, welche neue Erkenntnisse zur Klimavariabilität in Zentralasien liefern könnte. Die Kombination dieser verschiedenen Messungen und der verfügbaren Klimadaten bildet die Basis für eine Evaluierung der Sensitivität der Gletscherreaktion auf einzelne Klimaparameter. Damit kann erstmals auf der Basis von Felddaten, in Kombination mit Fernerkundungsdaten und meteorologischen Informationen die Sensitivität der Akkumulationszone auf klimatische Variationen bewertet werden. Diese Analyse wird das Verständnis der beobachteten Gletscherveränderungen im Pamir im klimatischen Zusammenhang deutlich verbessern.

Projekt gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Projekttitel: Die aktuelle Klimavariabilität und Gletscherentwicklung in Zentralasien - eine Fallstudie in der Akkumulationszone des Fedtschenkogletschers, Pamir

Projektwissenschaftler: Astrid Lambrecht

Projektnummer: LA 1211/3-1