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Erdmessung und Glaziologie

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Massenbilanz des Vernagtferners

Prinzipiell kann die Massenbilanz eines Gletschers mit dem Führen eines Girokontos verglichen werden: Die gesamte Schnee- und Eismasse des Gletschers am Anfang des Haushaltsjahres stellt den aktuellen „Haben“-Kontostand dar. Die Akkumulation entspricht der Summeder gesamten Jahreseinnahmen und wird positiv gezählt. Die Ablation entspricht dagegen der Summe der Ausgaben und besitzt ein negatives Vorzeichen. Das Vorzeichen des Saldos zwischen Aus- und Einnahmen bestimmt, ob der Gletscher an Masse zu oder abgenommen hat. Entsprechend ändert sich die Gesamtmasse in Analogie zum neuen Kontostand. Allerdings gibt es bei einem Gletscher keinen Überziehungskredit. Hat der Kontostand Null erreicht, ist der Gletscher verschwunden.

Massenbilanzen 1964 - 2015

Die wesentlichen Kenngrößen des Massenhaushaltes des Vernagtferners können für die Haushaltsjahre 1964/65 bis 2014/2015 der untenstehenden Tabelle entnommen werden.

Jahr Fläche [km2] ELA AAR Bilanz [mm] Tabellen Analyse

1964/65

9,52

2946

92

751

 

 

1965/66

9,52

2940

93

632

 

 

1966/67

9,52

3015

70

83

 

 

1967/68

9,52

2995

86

301

 

 

1968/69

9,46

3153

56

-307

Tabellen 1968/69

 

1969/70

9,46

3113

61

-224

Tabellen 1969/70

 

1970/71

9,46

3155

39

-424

Tabellen 1970/71

 

1971/72

9,46

3028

79

137

Tabellen 1971/72

 

1972/73

9,30

3185

43

-460

Tabellen 1972/73

 

1973/74

9,30

2999

81

230

Tabellen 1973/74

 

1974/75

9,30

3025

80

171

Tabellen 1974/75

 

1975/76

9,30

3036

75

50

Tabellen 1975/76

 

1976/77

9,30

2984

88

352

Tabellen 1976/77

 

1977/78

9,55

3004

85

288

Tabellen 1977/78

 

1978/79

9,55

3059

73

44

Tabellen 1978/79

Analyse  1978/79 107kb

1979/80

9,55

3027

77

140

Tabellen 1979/80

 

1980/81

9,55

3101

72

-55

Tabellen 1980/81

 

1981/82

9,35

3418

24

-845

Tabellen 1981/82

 

1982/83

9,35

3304

25

-537

Tabellen 1982/83

 

1983/84

9,34

3063

71

20

Tabellen 1983/84

 

1984/85

9,34

3102

61

-112

Tabellen 1984/85

 

1985/86

9,34

3291

19

-808

Tabellen 1985/86

 

1986/87

9,34

3143

55

-290

Tabellen 1986/87

 

1987/88

9,09

3230

39

-497

Tabellen 1987/88

 

1988/89

9,09

3170

50

-312

Tabellen 1988/89

 

1989/90

9,09

3283

32

-568

Tabellen 1989/90

 

1990/91

9,09

3630 +

8

-1079

Tabellen 1990/91

 

1991/92

9,09

3268

22

-858

Tabellen 1991/92

 

1992/93

9,09

3225

37

-472

Tabellen 1992/93

 

1993/94

9,09

3630 +

22

-1028

Tabellen 1993/94

 

1994/95

9,09

3226

39

-398

Tabellen 1994/95

 

1995/96

9,09

3225

40

-413

Tabellen 1995/96

 

1996/97

9,07*

3220

41

-487

Tabellen 1996/97

Analyse  1996/97 204kb

1997/98

9,07

3280

30

-1003

Tabellen 1997/98

Analyse  1997/98 204 kb

1998/99

8,68

3097

56

-108

Tabellen 1998/99

Analyse  1998/99 212kb

1999/00

8,68

3123

48

-287

Tabellen 1999/00

Analyse  1999/00 212kb

2000/01

8,68

3128

47

-224

Tabellen 2000/01

Analyse  2000/01 177kb

2001/02

8,68

3122

53

-266

Tabellen 2001/02

Analyse  2001/02 214kb

2002/03

8,53

3600 +

0

-2133

Tabellen 2002/03

Analyse  2002/03 214kb

2003/04

8,36

3205

34

-407

Tabellen 2003/04

Analyse  2003/04 217kb

2004/05

8,36

3224

40

-523

Tabellen 2004/05

Analyse  2004/05 217kb

2005/06

8,36

3261

25

-882

Tabellen 2005/06

Analyse  2005/06 217kb

2006/07

8,17

3281

19

-966

Tabellen 2006/07

Analyse  2006/07 217kb

2007/08

8,17

3289

17

-843

Tabellen 2007/08

Analyse  2007/08 253kb

2008/09

8,17

3347

14

-959

Tabellen 2008/09

Analyse  2008/09 340kb

2009/10

7,92

3246

23

-680

Tabellen 2009/10 als PDF-Datei

Analyse  2009/10 207kb

2010/11

7,92

3261

19

-955

Tabellen 2010/11 als PDF-Datei

Analyse  2010/11 228kb

2011/12

7,55

3280

15

-1155

Tabellen 2011/12 als PDF-Datei

Analyse  2011/12 228kb

2012/13

7,55

3148

35

-425

Tabellen 2012/13 als PDF-Datei

Analyse  2012/13 342kb

2013/14

7,36

3127

57

-144

Tabellen 2013/14 als PDF-Datei

Analyse  2013/14 342kb

2014/15

7,31

3241

15

-1268

Tabellen 2014/15 als PDF-Datei

Analyse  2014/15 357kb

Die wesentlichen Kenngrößen des Massenhaushaltes des Vernagtferners können für die Haushaltsjahre 1964/65 bis 2014/2015 der untenstehenden Tabelle entnommen werden. Sie enthält ferner die der Analyse zugrunde liegende Gesamtfläche des Gletschers, die Höhenlage der Gleichgewichtslinie (ELA), den prozentualen Anteil des Akkumulationsgebietes an der Gesamtfläche (AAR) und die spezifische Nettomassenbilanz in mm Wasseräquivalent. Die Analysen stammen von Oskar Reinwarth, Ludwig Braun und Markus Weber. Ab dem Haushaltsjahr 2003/04 werden die Analysen durch Christoph Mayer durchgeführt.

Zur Verdeutlichung der Entwicklung über den Beobachtungszeitraum sind die Angaben der spezifischen Massenbilanzwerte (Spalte Bilanz) farblich unterlegt. Negative Werte(gelb über orange bis rot) entsprechen einem Massenverlust, positive (mit Blautönen unterlegt) dagegen einem Massengewinn des Gletschers. Bei den mit Grüntönen unterlegten Werten ist die Bilanz weitgehend ausgeglichen, d.h. die Eismasse des Gletschers bleibt konstant. Jahre mit extremen Massenverlusten (über 800 mm) sind rot hervorgehoben. Es zeigt sich, dass der Gletscher - nach einer schwach ausgeprägten Wachstumsphase Mitte der 70er Jahre - seit Anfang der 80er Jahre kontinuierlich an Masse verloren hat. Außerdem ist deutliche eine Zunahme von Massenhaushaltsjahren mit extremen Massenverlusten innerhalb der letzten Dekade zu beobachten.

Das letzte Haushaltsjahr 2014/15 schloss nach den moderaten Jahren 2012/13 und 2013/14 erneut mit einem extremen Massenverlust. Es handelt sich um die zweitnegativste Massenbilanz seit Beginn der Erhebung nach der glaziologischen Methode am Vernagtferner im Haushaltsjahr 1964/65. Allerdings ist auch dieser Wert deutlich weniger negativ als der des Rekordsommers 2003, er ist im Rahmen der Messgenauigkeit vergleichbar mit dem Haushaltsjahr 2011/12 und zeigt auch ähnliche Werte für ELA und AAR.

Gesamtfläche des Gletschers

Die Ausdehnung des Gletscherareals ist eine wichtige Bezugsgröße zur Beurteilung des Massenhaushalts. Ihre Änderung muss aber nicht zwangsläufig direkt an die Massenänderungen gekoppelt sein. Da Eismassen auch dynamisch verfrachtet werden, wirkt sich eine Zu- oder Abnahme der Eismasse nicht unmittelbar auf die Fläche aus. Dennoch kommt es vor allem in den Randgebieten im Laufe der Zeit zu Änderungen der Gletschergrenzen.

Die in der Tabelle angegebene Ausdehnung der Gletscherfläche ist jedoch nicht immer die aktuelle Fläche zum Ende des Haushaltsjahres, sondern die zum Zeitpunkt der kartografischen Aufnahme, welche die Basis der Analyse bildet. Dieser sogenannte Schichtlinienplan kann nicht jedes Jahr aktualisiert werden, da dazu Luftbilder vorliegen müssen.

Höhenlage der Gleichgewichtslinie (ELA)

Die Höhenlage der Gleichgewichtslinie (eqilibrium line altitude, ELA) ist eine hypothetische Größe, welche anhand der Höhenverteilung der spezifischen Nettobilanz bestimmt wird. Es ist diejenige Höhenlage, in der die Massenbilanz im betrachteten Haushaltsjahr ausgeglichen ist bzw. das Vorzeichen wechselt. Durch diese Höhenlinie wird der Gletscher in zwei Bereiche unterteilt: oberhalb liegen die Areale mit einem Nettogewinn an Masse, unterhalb davon herrscht in der Bilanz Massenverlust. Die mittlere Höhe der Gleichgewichtslinie liegt am Vernagtferner bei 3066 m, was gleichzeitig dem Höhenbereich entspricht, in dem die Gletscherfläche die größte Ausdehnung hat. Liegt die aktuelle Gleichgewichtslinie oberhalb des langjährigen Mittelwertes, dann ist die totale Massenbilanz des Gletschers negativ. Liegt sie dagegen niedriger, ist ein Massenzuwachs festzustellen. Da es sich um eine hypothetische Kenngröße handelt, kann die ELA in Extremfällen sogar oberhalb der Kämme liegen (z.B. 1993/94). In diesen Jahren verliert der Gletscher über seine gesamte Höhenerstreckung an Masse.

AAR (Accumulation Area Ratio)

AAR steht für accumulation area ratio und gibt das Verhältnis der Fläche des Akkumulationsgebietes zur Gesamtfläche in Prozent an. Als Faustregel gilt, dass der Massenhaushalt eines Gletschers dann ausgeglichen ist, wenn das Verhältnis der Größe des Akkumulationsgebietes zu dem des Ablationsgebietes etwa 2:1 beträgt. Dieser Fall entspricht einer AAR von 66%. Für größere Werte ist eine Massenzunahme, für kleinere eine Massenabnahme zu erwarten.